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Tiergestützte Pädagogik im Kinderzentrum St. Vincent

Mit Hunden lernen:

Im Kinderzentrum St. Vincent der Katholischen Jugendfürsorge werden schon seit einigen Jahren erfolgreich Forschung und Praxis eng verknüpft. So ist es gute Tradition, dass Studierende der OTH Regensburg aus der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften für ihre Bachelor- oder Masterarbeit projektbezogen in der Einrichtung mit Fachkräften und Kindern arbeiten, empirische Daten sammeln und Ergebnisse liefern, die wiederum in die pädagogische Alltagspraxis der Einrichtung einfließen. Christiane Bartlick hat im Rahmen ihrer Bachelorarbeit „Sozialkompetenztraining mit Hund“ eine empirisch solide Basis für die strukturierte pädagogische Intervention in der Arbeit mit Tieren – bei ihr speziell mit Hunden – vorgelegt.

 

„Wir machen seit Jahren sehr positive Erfahrungen mit tiergestützter Pädagogik in unserer Einrichtung und werden unsere Angebote weiter ausbauen“, sagt der Gesamtleiter des Kinderzentrums St. Vincent, Frank Baumgartner. Klassisch seien die verschiedenen Methoden der Arbeit mit Hunden oder die Reittherapie. „Immer mehr OTH-Absolventen sehen in diesem Bereich fachliches Potential und eigene berufliche Entwicklungsmöglichkeiten“, so Baumgartner. Bereits sein Vorgänger Wolfgang Berg hat Christiane Bartlick im Kinderzentrum ein entsprechendes Umfeld für ihre Forschungsarbeit geboten. „Wir profitieren natürlich von den Ergebnissen und können diese zur eigenen Professionalisierung heranziehen“, so Baumgartner.

 

Christiane Bartlick hatte in ihrem Betreuer für ihre Forschungsarbeit einen kundigen und erfahrenen Experten an ihrer Seite. Professor Dr. Georg Jungnitsch, Diplom-Psychologe und approbierter Psychologischer Psychotherapeut lehrt an der OTH Psychologie. Darüber hinaus leitet er mit seiner Frau einen Alpaka-Hof und seit 2017 ein Institut für tiergestützte Interventionen (ITIVV) am Rande des Bayerischen Waldes in Lindforst/Schwarzach. Tiergestützte Angebote in der Sozialen Arbeit sind auch fester Bestandteil des Studienplans an der OTH und Christiane Bartlick hat sich dieses Themenfeld für ihre Bachelorarbeit ausgesucht. Mithilfe von Tanja Dressel, Mitarbeiterin des Kinderzentrums St. Vincents und Fachkraft für tiergestützte Interventionen, wurde es erst möglich ein Projekt solcher Art auf die Beine zu stellen. Ihr Fokus: der Erwerb und die Weiterentwicklung von Sozialkompetenzen.

 

In dem Projekt „Sozialkompetenztraining mit Hund“ wird in einer spielerischen Atmosphäre mit Fähig- und Fertigkeiten gearbeitet, die im Umgang mit Mitmenschen notwendig sind. „Der Hund stellt dabei einen so genannten wertfreien Spiegel dar. Durch dessen direkte und unvoreingenommene Reaktion reflektiert das Tier sein Gegenüber. Genau diese und viele anderen Eigenschaften machen den Hund zu einem tollen Co-Pädagogen“, erklärt Christiane Bartlick.

 

Über einen Zeitraum von drei Monaten hat sie mit einer Gruppe von vier Kindern und zwei Hunden einmal in der Woche gearbeitet. „Zunächst ging es darum, dass die Kinder eine Beziehung zu den Hunden aufbauen. Beide, Kinder und Hund, müssen einander vertrauen“, so Bartlick. Im Freien Spiel konnte der Umgang zwischen den Kindern und den Hunden Jasper und Jeti beobachtet werden. „Sind sie eher ängstlich oder gehen sie auf die Tiere zu?“ Für die Spiele hat Christiane Bartlick in einem nächsten Schritt den Ablauf vorgegeben und genau beobachtet, wie die Kinder darauf reagieren. Jede Stunde hat sie in einem Beobachtungsbogen dokumentiert und am Ende das Projekt evaluiert.

 

Neben den Gruppenterminen gab es auch Einzeltermine, in denen die Kinder lernten Entspannungstechniken mit den Hunden einzuüben. Über die Zeitspanne des Projekts hinweg hat Christiane Bartlick genau beobachtet, wie sich die Sozialkompetenzen entwickelt und verändert haben. „Die Kinder waren durchwegs begeistert von der Arbeit mit den Tieren“, erklärt Bartlick, „und es haben sich unglaublich starke Effekte gezeigt.“ „Ein tolles Medium, um soziale Kompetenzen zu erlernen und zu festigen“, bekräftigt auch Professor Dr. Georg Jungnitsch. „Die Arbeit von Frau Bartlick darf als wegweisend für andere betrachtet werden“, lobt Jungnitsch die Studentin. Aufgrund der positiven Reaktionen ist im Sommer 2018 eine erneute Durchführung des Projektes geplant. Tanja Dressel und Christiane Bartlick arbeiten nun gemeinsam mit vier Kindern und Jugendlichen aus St. Vincent und den bereits bekannten Hunden an ihren sozialen Kompetenzen. Zwei Teilnehmer aus dem vorherigen Jahr nehmen erneut teil.

 

Kooperative Projekte wie diese sind ideal, um die Professionalisierung in Einrichtungen weiter voranzutreiben – darüber sind sich alle Beteiligten einig. Die sehr gute Bachelorarbeit von Christiane Bartlick bietet dem Kinderzentrum methodische Standards der tiergestützten Intervention, die überdies im eigenen Hause entwickelt wurden. Besser kann „Forschung trifft Praxis“ gar nicht laufen.

 

 

Text: Christine Allgeyer

Bild: Christine Allgeyer

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