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Ausstellungen 2019 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Spurensuche und zwei Frauen, die Kunstgeschichte schrieben

Ausstellungen 2019 im Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Spurensuche und zwei Frauen, die Kunstgeschichte schrieben
Ein vielschichtiges Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher
des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg im kommenden Jahr.
Drei Kabinettausstellungen bieten zwischen März und September die
Gelegenheit, die faszinierenden Entstehungshintergründe ausgewählter
Werke aus dem Bestand des Museums zu erkunden. Eines davon ist die
großformatige Arbeit „Deutschland wird deutscher“ von Katharina
Sieverding, die durch ihre interdisziplinäre mediale Kunstpraxis zur
Erweiterung des Kunstbegriffs beigetragen hat. Im Oktober eröffnet das
Museum die Highlight-Ausstellung des Jahres, die ebenfalls einer
bemerkenswerten Künstlerin gewidmet ist: „Zwischen Freiheit und
Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis“.
Im Mittelpunkt der ersten beiden Kabinettausstellungen steht jeweils ein
Prunkstück der Sammlung. Das durch seine spektakuläre Wiederentdeckung
bekannt gewordene Gemälde „Frühlingsmorgen im Lauterbrunner Tal“ (1827)
von Ludwig Richter hat eine beeindruckende Entstehungsgeschichte. Kürzlich
aufgefundene Unterzeichnungen deuten darauf hin, dass der Landschaftsmaler
Richter sich für die Gestaltung der Figuren Anregungen von seinem
Künstlerfreund Julius Schnorr von Carolsfeld holte.
Die zweite Präsentation stellt die großformatige Fotografie „Deutschland wird
deutscher“ (1992) von Katharina Sieverding im Kontext des konzeptuellen
Schaffensprozesses der renommierten Künstlerin vor. Sieverding reagierte in
ihrer Arbeit auf rechtsradikale Ausschreitungen nach dem Mauerfall. 2019 jährt
sich dieses historische Ereignis zum 30sten Mal, die Problematik ist jedoch
aktueller denn je.
Es ist nichts Unübliches, dass ein Künstler seine Leinwand von beiden Seiten
bemalt, aber es ist kaum bekannt. Die dritte Ausstellung versammelt einige
solcher Gemälde aus dem Bestand, um auch die meist verborgene Rückseite
zu zeigen. Die Idee knüpft an die beidseitigen Präsentationen in der ständigen
Schausammlung an.
„Mit den drei Kabinettausstellungen geben wir unseren Gästen Einblick in die
oft spannenden Hintergründe der Museumsarbeit. Anhand von Skizzen,
Dokumenten oder Vergleichsmaterial können sie tief in die Thematik
eintauchen,“ erklärt Direktorin Dr. Agnes Tieze. „Insbesondere die Rückseiten
von Werken geben vielfach wichtige Hinweise auf deren Geschichte, die der
Kunsthistoriker oft in detektivischer Arbeit rekonstruieren muss,“ ergänzt Tieze.
Genau solche Aufgaben sind wichtig, um die Herkunft eines Werkes
nachvollziehen zu können. Ab 1. Dezember 2018 wird das Kunstforum
Ostdeutsche Galerie eine eigene Stelle für Provenienzforschung besetzen.
Im Herbst folgt das größte Projekt des Jahres 2019: die umfangreiche
Retrospektive von Renée Sintenis, einer der wichtigsten Bildhauerinnen der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung präsentiert die Schöpferin
des berühmten Berlinale Bären mit einer spannenden Auswahl ihrer Werke und
zeichnet ihre bewegte und bewegende Lebensgeschichte in der Zeit des
Nationalsozialismus nach.
„Wir freuen uns, dass wir trotz der Baumaßnahmen, die 2019 im Hintergrund
laufen werden, ein anders als üblich konzipiertes, jedoch sehr ansprechendes
Programm bieten können,“ fasst Dr. Agnes Tieze zusammen.
Für Fragen und Anregungen steht Ihnen unser Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung:
PhDr. Gabriela Kašková (g.kaskova@kog-regensburg.de), Tel.: 0941/29 714-23, Fax: 0941/29 714-33.Ausstellungen 2019 im Überblick
„Ludwig Richter und Julius Schnorr von Carolsfeld
Eine Künstlerfreundschaft“
17. März bis 23. Juni 2019
Ludwig Richters (Dresden 1803–1884 Dresden) Gemälde „Frühlingsmorgen im
Lauterbrunner Tal (Auszug der Sennen)“ (1827) gehört zu den Vorzeigestücken
der deutschen Romantik. Ähnlich wie seine Zeitgenossen Caspar David
Friedrich oder Joseph Anton Koch fand auch Richter sein Motiv in den wilden
Bergszenerien. Die liebliche Tallandschaft mit einer friedlichen
Bauerngesellschaft steht im drastischen Kontrast zu den zerklüfteten
Hochgebirgsgipfeln.
Erst vor einigen Jahren gelang es einem Privatsammler durch glückliche
Fügung das lange Zeit verschollene Gemälde wiederzuentdecken. Seit 2011
stellt er das renovierte Werk als Leihgabe dem Kunstforum Ostdeutsche
Galerie zur Verfügung.
Bei gemäldetechnologischen Untersuchungen konnten jüngst
Unterzeichnungen sichtbar gemacht werden. Die Vorstudien zu den
Figurenszenen dokumentieren den Einfluss von Julius Schnorr von Carolsfeld
(Leipzig 1794–1872 Dresden), einem Kollegen und Freund Richters, dessen
Spezialgebiet die Figurenmalerei war. Die Kabinettausstellung führt den
kreativen Austausch der Künstlerfreundschaft anhand der Infrarotreflektografie,
ausgewählten Kunstwerken sowie Ludwig Richters Aufzeichnungen vor Augen.
„Katharina Sieverding Deutschland wird deutscher“
7. Juni bis 8. September 2019
Seit über fünfzig Jahren agiert Katharina Sieverding (*1944 Prag) mit der
Fotografie im Spannungsfeld von Geschichte und Politik, Individuum und
Gesellschaft. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg besitzt drei
exemplarische Werke dieser herausragenden Lovis-Corinth-Preisträgerin, die
wesentlich zur Erweiterung des Kunstbegriffs und der interdisziplinären
medialen Kunstpraxis beigetragen hat. „Deutschland wird deutscher“ gelangte
2018 als Dauerleihgabe in das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Erworben
wurde die großformatige Fotografie vom Deutschen Historischen Museum
Berlin mit Sondermitteln des Deutschen Bundestages und mit Unterstützung
der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Vor dem Hintergrund rechtsradikaler Tendenzen Anfang der 1990er Jahre
setzte Sieverding mit ihrer vierteiligen Arbeit „Deutschland wird deutscher“
einen deutlichen Akzent gegen das Aufkeimen nationalistischer Gesinnung. Die
inszenierte Fotografie mit einem von Messern bedrohten Selbstbildnis der
Künstlerin unter der plakativen Überschrift, die einem „ZEIT“-Artikel entlehnt ist,
sollte im Sommer 1992 auf der internationalen Skulpturenausstellung
„Platzverführung“ in achtzehn verschiedenen württembergischen Gemeinden
präsentiert werden. Aus Sorge um ein öffentliches Missverständnis stimmte
allerdings nur eine Gemeinde zu.
Die Ausstellung will sich mit der Entstehungs-, Bedeutungs- und
Rezeptionsgeschichte dieser wichtigen Arbeit näher beschäftigen. Versionen
von der Vorstufe bis hin zur medienwirksamen Plakatierungsaktion in Berlin
1993 sollen hierbei vorgestellt werden. Denn Sieverdings Werk hat bis heute an
Für Fragen und Anregungen steht Ihnen unser Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung:
PhDr. Gabriela Kašková (g.kaskova@kog-regensburg.de), Tel.: 0941/29 714-23, Fax: 0941/29 714-33.Wirkkraft nicht verloren. Die Frage nach der kulturellen und geistigen Identität
und Weite der deutschen Nation ist angesichts der politischen Entwicklungen
aktueller denn je.
„Verborgene Doppelbilder“
21. Juli bis 8. September 2019
In der Ende 2017 eröffneten Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche
Galerie konnten einige beidseitig bemalte Gemälde, darunter Werke von
Ludwig Meidner, Adolf Hölzel, Otto Mueller oder Conrad Felixmüller, erstmals
so installiert werden, dass dauerhaft sowohl die Vorder- als auch die Rückseite
zu sehen ist. Die Kabinettausstellung knüpft an diesen Aspekt an und
versammelt weitere solche Werke, die nicht in die Dauerausstellung
aufgenommen werden konnten wie die Gemälde von Moriz Melzer, Jakob
Steinhardt, Max Radler, Ida Kerkovius oder Arbeiten, die hier nur mit der
Vorderseite integriert sind, wie Hans Fronius‘ „Mauthausen 1945“ von 1982.
Die beidseitige Präsentation vermittelt nicht nur einen kompletten Eindruck von
dem jeweiligen Gemälde. Oft ist es gerade die Rückseite mit interessanten
Notizen, Stempeln oder Klebezetteln, die wichtige Hinweise auf Herkunft,
Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte liefert. Die Kabinettausstellung
schlüsselt beispielhaft solche Spuren auf und gibt dem Besucher Einblick in
diesen beinahe detektivischen Bereich der kunsthistorischen Arbeit. Dies
geschieht auch vor dem Hintergrund der Provenienzrecherche am Kunstforum
Ostdeutsche Galerie, die ab Dezember 2018 mit einer eigens dafür errichteten
Stelle beginnt – diese wird gefördert vom Deutschen Zentrum für
Kulturgutverluste in Magdeburg und von der Landesstelle für nichtstaatliche
Museen in Bayern.
„Zwischen Freiheit und Moderne. Die Bildhauerin Renée Sintenis“
12. Oktober 2019 bis 12. Januar 2020
Renée Sintenis (Glatz, Schlesien 1888–1965 Berlin) gehört zur ersten
Generation von Frauen, die die Bildhauerei professionell ausüben durften. Vor
allem ihre kleinformatigen Tierplastiken machten sie zur gefragten Künstlerin.
Zudem gilt sie als meistfotografierte Frau der Weimarer Republik: Ihre große,
schlanke Erscheinung im Herrenanzug mit Bubikopf verkörperte den Inbegriff
der „Neuen Frau“ der 1920er Jahre und machte sie zum androgynen
Medienstar.
Ab 1905 lebte Sintenis in der Kunstmetropole Berlin. Der Stadt ist sie Zeit ihres
Lebens treu geblieben. Höchsten Ausdruck findet die tiefe Verbundenheit im
„Berliner Bär“, ihrem wohl bekanntesten Werk. Die plastische Umsetzung des
Berliner Wappentieres wurde zum Hauptwerk der letzten beiden
Lebensjahrzehnte der Künstlerin. Der Bär mit den erhobenen Tatzen avancierte
in den 1950ern zur Symbolfigur der Stadt. Seither wird eine kleinere Version,
der Berlinale Bär, bei den Berliner Filmfestspielen als Trophäe vergeben.
Die Ausstellung nähert sich dem Œuvre von Renée Sintenis aus
unterschiedlichen Perspektiven. Mehr als die Hälfte ihrer Werke stellen
kleinformatige Tierplastiken dar, dies spiegeln auch die knapp 100
Ausstellungsobjekte wider. Doch nur mit den vielzähligen Frauen-, Knaben- und
Sportlerfiguren sowie den Porträts und grafischen Arbeiten wird ihrem
Für Fragen und Anregungen steht Ihnen unser Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung:
PhDr. Gabriela Kašková (g.kaskova@kog-regensburg.de), Tel.: 0941/29 714-23, Fax: 0941/29 714-33.komplexen Schaffen vollständig Rechnung getragen. Neben Werken aus der
eigenen Sammlung machen bedeutende Leihgaben die in dieser Ausstellung
gezeigte breite Fülle ihres Schaffens möglich.
Begleitprogramm und Projekte 2019
Das Ausstellungsprogramm begleiten vielfältige Veranstaltungen, Führungen
und Workshops für unterschiedliche Zielgruppen. Ein besonderer Fokus liegt
dabei auf Kindern und Familien. Mit dem Kindermuseumsführer, der in zwei
Varianten für verschiedene Altersgruppen ausgelegt ist, können Kinder auch
selbständig bzw. mit ihren Eltern auf den Spuren von Museumsmaskottchen
Koggi die Kunstschätze in der Schausammlung des Museums entdecken. An
das erfolgreiche Vermittlungskonzept der Reihe „Kinder führen Kinder“ mit drei
Juniorgästeführerinnen knüpft 2019 ein weiteres Projekt mit einem neuen
Kinderguideteam an. Die erste Führung wird voraussichtlich im Frühjahr 2019
stattfinden.
Ab 2019 bietet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie eine erweiterte Auswahl
an Schulprogrammen an. Neben dem Schwerpunkt Kunst und Kunstgeschichte
liefern die Kunstwerke der Schausammlung auch Anhaltspunkte für die
Auseinandersetzung mit kulturhistorischen Themen im geschichtlichen und
aktuellen Kontext. Die insgesamt fünf Programme aus diesem Bereich widmen
sich Fragen rund um Identität oder Heimat, beleuchten die Zeit der so
genannten „Goldenen Zwanziger“ oder führen virtuell durch Kafkas Prag.
Gemeinsam mit KreBeKi, der Stiftung für krebskranke und behinderte Kinder in
Bayern, veranstaltet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie auch 2019 Inklusive
Workshops. Darüber hinaus beteiligt sich das Museum zusammen mit weiteren
Kooperationspartnern an dem neuen inklusiv-integrativen Projekt der Stiftung
mit dem Titel „Kunstobjekte in Bewegung“.
Die REWAG-Nacht in Blau und die REWAG-Klassik sind auch 2019 die beiden
Veranstaltungs-Highlights des Jahres. Am Freitag, 2. August und Samstag, 3.
August, steigt im Stadtpark rund um das Kunstforum das große Kulturfest. Die
Besucherinnen und Besucher können sich wie immer auf ein ansprechendes
Programm mit Musik, Tanz und Auftritten verschiedenster Künstler freuen.
Führungen im KOG und die kreativen Stationen im Kunstzelt runden das
Programm ab.
Der nächste Abschnitt der Baumaßnahmen im Kunstforum Ostdeutsche
Galerie
Anfang 2019 beginnt der nächste Abschnitt der Baumaßnahmen, der
voraussichtlich bis Ende 2020 dauern wird. Das Gesamtbudget beträgt 4,5 Mio.
Euro. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien beteiligt sich
mit 2.250.000 Euro, der Freistaat Bayern mit 1.350.000 Euro und die Stadt
Regensburg mit 900.000 Euro.
Die Maßnahmen betreffen den sogenannten Grafiktrakt, die Kunsthalle und das
Verwaltungsgebäude aus dem Baukomplex des Kunstforums Ostdeutsche
Galerie. Die genannten Teile sollen aus sicherheitstechnischen und
funktionalen Gründen modernisiert und umgebaut werden, es handelt sich um
keine gestalterische Baumaßnahme.
Für Fragen und Anregungen steht Ihnen unser Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung:
PhDr. Gabriela Kašková (g.kaskova@kog-regensburg.de), Tel.: 0941/29 714-23, Fax: 0941/29 714-33.Im sogenannten Grafiktrakt werden die Klima- und Beleuchtungsverhältnisse
dem aktuellen Standard angepasst, damit die Räumlichkeiten wieder für
hochwertige Kunstausstellungen genutzt werden können. Die Kunsthalle bzw.
Anbindung einzelner Gebäudeteile, darunter auch zum Grafiktrakt, sollen
komplett barrierefrei erschlossen werden. Das Ziel ist es auch, einzelne
Raumbereiche im Erdgeschoss besucherfreundlicher zu gestalten. Das betrifft
insbesondere den Bereich der Museumspädagogik. Die Maßnahmen im
Verwaltungsgebäude dienen der Sicherung der Bausubstanz.
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bemüht sich, während der
Baumaßnahme den Ausstellungsbetrieb weitestgehend ohne Einschränkungen
aufrecht zu erhalten.
Das Kunstforum bedankt sich bei seinen Förderern und
Zuwendungsgebern für die 2018 geleistete finanzielle Unterstützung:

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration
Stadt Regensburg
Kulturfonds Bayern
REWAG Regensburger Energie- und Wasserversorgung AG & Co KG
Sparkasse Regensburg
BMW Group Werk Regensburg
Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg e.V.
Bayerische Staatsforsten
sowie private Sponsoren
Herzlicher Dank gebührt auch unserem Kulturpartner BR 2.

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