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„Verborgene Doppelbilder“

Es ist nichts Unübliches, dass ein Künstler seine Leinwand von beiden Seiten bemalt. Meist bekommt der Museumsbesucher jedoch nur eine davon zu sehen. In der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie sind vier Gemälde bereits so installiert, dass sie beidseitig betrachtet werden können. Die Ausstellung „Verborgene Doppelbilder“ deckt nun weitere Rückseiten auf. Zum Vorschein kommen vielfach Skizzen aber auch vollendete Motive. Manchmal geben Notizen, Stempel oder Klebezettel wichtige Hinweise zu Herkunft, Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte. Die Ausstellung schlüsselt beispielhaft solche Spuren auf und gibt dem Besucher Einblick in diesen fast detektivischen Bereich der kunsthistorischen Arbeit. Beidseitig bemalte Leinwände oder Holztafeln sind eine wenig bekannte, aber nicht seltene Kuriosität. Augenblicklich eine neue Idee zu fixieren ist ein häufiger Impuls, so greifen Künstlerinnen und Künstler nach einem vorhandenen Gemälde und malen auf die Rückseite. Noch öfter stecken jedoch ökonomische Gründe hinter einer Wiederverwendung. Beispielsweise bekannte sich der Brücke-Künstler Ernst Ludwig Kirchner zu dieser Praxis: „Auch ich muss etwas sparen jetzt und das Material ist sehr kostspielig geworden. Aber die Leinwand hat Gott sei Dank 2 Seiten“. Knapp 140mal nahm Ernst Ludwig Kirchner die Rückseite als weitere Malfläche. In der Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie finden sich einige „Doppelbilder“. Die Rückseite nutzen die Künstlerinnen und Künstler für verwandte Motive aber auch für völlig neue Kompositionen. Die einen wurden ausgearbeitet, die anderen dienten als Skizzen oder blieben unvollendet. Gelegentlich wurde dabei ein Querformat zu einem Hochformat oder andersherum. Teilweise fiel die Entscheidung, die vermeintliche Rückseite zur Vorderseite zu machen. Die Dauerausstellung im ersten Obergeschoss zeigt Beispiele von Conrad Felixmüller, Ludwig Meidner, Adolf Hölzel und Otto Mueller. Die Präsentation „Verborgene Doppelbilder“ richtet nun den Blick auf Sammlungsstücke, die größtenteils noch nie von beiden Seiten gezeigt wurden. Der Bogen spannt sich vom frühen 20. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre und umfasst Werke von Moriz Melzer, August Brömse, Hans Hartig,
Richard Seewald, Jakob Steinhardt, Artur Degner, Gory von Stryk, Ida Kerkovius, Max Radler und Hans Fronius. Für Fragen und Anregungen steht Ihnen unser Büro für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung: PhDr. Gabriela Kašková, g.kaskova@kog-regensburg.de, Tel.: 0941/29 714-23Oft ist es gerade die Rückseite mit interessanten Notizen, Stempeln oder Etiketten, die wichtige Hinweise zu Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte liefert. Sie geben Auskunft darüber, wo Bilder ausgestellt oder gelagert wurden, in welchen Sammlungen sie sich befanden, wann und wo der Rahmen entstanden ist – alles wichtige Belege für die
Provenienzrecherche. In der Ausstellung wird die Herkunft jeweils aufgezeigt. Ein Klebezettel, der noch eine weitere Frage aufwirft, findet sich bei dem Gemälde von Ida
Kerkovius: Aus der Sicht des Betrachters platzierte die Künstlerin ihn etwas unsensibel mitten in ihre unvollendete Figurenszene. Als ob sie dieses Motiv auf der Rückseite völlig ignorieren würde, notierte sie hier, was mit der „Madonna mit Engeln“ auf der Vorderseite nach ihrem Tod geschehen sollte. Hätte sie die Rückseite jemals öffentlich präsentiert? Begleitprogramm Die Ausstellung eröffnet Dr. Agnes Tieze, Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie, mit einer Matinee am Sonntag, 21. Juli, um 11 Uhr. Am gleichen Tag um 15 Uhr lädt das Museum zu einer Mitmachführung für Groß und Klein ein. Einen kurzen Überblick in die Ausstellung gibt Dr. Agnes Tieze am Mittwoch, 24. Juli, bei der Mittagspause im Museum um 13 Uhr. Kurzführungen durch die Schau gibt es auch bei den beiden REWAG- Nächten: Bei der REWAG-Klassik im Park am Freitag, 2. August, startet das Führungsprogramm ab 19 Uhr, bei der REWAG-Nacht in Blau am Samstag, 3. August, bereits ab 18 Uhr.

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