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Kinderschutz in der Corona-Isolation

Foto: Alexas_Fotos from Pixabay
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Kinder gemeinsam schützen

 

Das Familienleben spielt sich zurzeit nahezu ausschließlich in den eigen vier Wänden ab. Viele Familien kommen an ihre Grenzen und es stellt sich die Frage: Wer kümmert sich um diejenigen, die in keinem Netzwerk angebunden sind? Wer nimmt davon Kenntnis, wenn es zu Haus laut wird oder gar zu Gewalt in der Familie kommt? Die professionellen Netzwerke der Jugendhilfe halten derzeit mit den bereits angebundenen Familien trotzdem Kontakt. In Krisenzeiten benötigen viel mehr Familien Unterstützung und Hilfestellung.

 

In Krisenzeiten sind es oft Frauen und Kinder, die unter den verschärften Bedingungen leiden. Rund um die Uhr und ohne Pause verbringen Eltern und Kinder, aufgrund der derzeitigen Ausgangsbeschränkung, Zeit zusammen, oft auf engstem Raum. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten und ein unstrukturierter Tagesablauf können schnell zu Aggression und Gewalt führen. Jede und jeder kann und soll reagieren, wenn sie oder er merkt, dass Kinder Opfer von Gewalt werden.


Aktuell kann der prognostizierte Anstieg der Gewaltdelikte innerhalb von Familien noch nicht verzeichnet werden, was aber nicht gleichzeitig bedeutet, dass es plötzlich keine Gewalttaten mehr in den Familien gibt oder das Wohl von Kindern akut oder latent nicht in Gefahr geraten kann. Das Amt für Jugend und Familie bereitet sich auf alle möglichen Szenarien vor, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

 

Betreuung per Telefon

Die verschiedenen Stellen des Amtes für Jugend und Familie sind telefonisch erreichbar. Kinderschutz wird auch während der Corona-Krise sehr ernst genommen. Persönliche Kontakte versucht man im Moment zu vermeiden, so wie es die Vorschrift verlangt. Die Fachkräfte sind trotzdem erreichbar. Im Falle einer Kindeswohlgefährdung werden Familien auch zu Hause aufgesucht – natürlich unter Einhaltung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen.

 

Kinder gemeinsam schützen

In Zeiten von Corona und den damit verbundenen Schließungen von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen wichtige Entlastungsinseln für Eltern und Kinder. Gesundes Aufwachsen von Kindern kann von den pädagogischen Fachkräften in Kita und Schule nicht mehr im gewohnten Umfang unterstützt werden und Kinder und Jugendliche im Blick behalten. Ebenso fehlt die wichtige Option, sich vertrauensvoll an das Betreuungspersonal und an außerfamiliäre Bezugspersonen wenden zu können, wenn es ihnen schlecht geht.
Es ist eine gemeinschaftliche Aufgabe, unsere Kinder zu schützen. Deshalb sind alle Bürger und Bürgerinnen aufgerufen, besonders aufmerksam zu sein und Hilfe anzubieten. Wichtig ist es, aus Sicht des Kindes zu denken und zu fühlen und die eigene Betroffenheit ernst zu nehmen

 

Nachbarschaftshilfe gefragt

Wenn sich Personen Sorgen über das Wohl eines Kindes machen, sollte sie einschreiten: Oft ist es schon hilfreich, wenn man zum Beispiel an der Tür klopft oder klingelt und kurz nachfragt, ob alles in Ordnung ist. Es gilt trotzdem, unbedingt mindestens 1,5 Meter Sicherheitsabstand einzuhalten. Es ist zudem nicht leicht herauszuhören, ob Eltern nur schimpfen oder ein Kind tatsächlich in Gefahr ist. Nachfragen und Hilfe anbieten ist für Eltern ein wichtiges Signal, sie merken dann oft selbst, dass es vielleicht zu viel war und es nicht unbemerkt bleibt. Das Gefühl, dass man in diesen schweren Zeiten nicht allein ist, kann wieder Mut machen.

 

Wenn man sich unsicher ist, wie die Situation zu bewerten ist, sollte man nicht zögern, sich an die bekannten Stellen zu wenden.

In einem unverbindlichen Beratungsgespräch mit Fachkräften gibt es die Möglichkeit, Expertentipps und Handlungsmöglichkeiten zu erfragen oder unter Anleitung eine Kindeswohlgefährdung beim Amt für Jugend und Familie zu melden (siehe Beratungsnummern). Dies ist auch anonym möglich.

 

Entsteht der Eindruck, dass ein Kind akut gefährdet ist, sollte  die Polizei gerufen werden. Diese kann sofort und vor Ort abklären, ob eine Gefährdung vorliegt und geeignete Maßnahmen einleiten.

 

Ansprechstellen für Not- und Krisensituationen in Regensburg

  • Beratung in Krisensituationen: Jugend- und Familientherapeutische Beratungsstelle, Telefon 507-2762
  • Bei Kindeswohlgefährdungen und für Jugendliche in Krisensituationen: Jugendamt Stadt Regensburg (zu Bürozeiten), Telefon 507-2512 oder Jugendschutzstelle Stadt Regensburg (außerhalb der Bürozeiten und am Wochenende), Telefon 507-4760
  • Bei Fragen zu sexueller Gewalt: Frauennotruf e. V., Telefon 24171
  • Bei häuslicher Gewalt: Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, Telefon: 08000/116 016

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